Helleborus niger – Christrose, Schneerose, Schwarz - Christwurzel
Allen Regeln zum Trotz erfreut zur tiefsten Winterszeit, wenn sich andere Pflanzen längst zurückgezogen haben, die Christrose mit ihrem schneeweißen Blütenwunder Augen und Herzen der Betrachter.
Der schwarzbraune Wurzelstock ist bei dieser Art aus der Familie der Ranunculaceae der Namensgeber.
Ihre Heimat ist Oberitalien und die Schweiz,
wo sie in südlichen Lagen zur Weihnachtszeit
ihre Blüten öffnet.
Schön bist Du, Kind des Mondes, nicht der Sonne;
Dir wäre tödlich andrer Blumen Wonne.
Dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft,
himmlischer Kälte balsamsüße Luft.
Eduard Mörike in einem Gedicht, nachdem er eine Christrose auf einem Friedhof erblickte.
Paracelsus und viele Heiler vor ihm sahen in der Christrose eine Pflanze für ein langes Leben.
Unter bestimmten Voraussetzungen geerntet „zur rechten Zeit, nämlich bei hochstehendem Saturno, der durch einen guten Schein des Jupiters und des Mondes erleuchtet ist“, und an der Luft getrocknet, verarbeitete man die Blätter in Rezepturen zu „Lebenselixieren“.
Einige Inhaltsstoffe sind stark giftig, besonders auf Herz und Nerven gerichtet und mit Lähmungen, sowie Krampfanfällen auch tödlich endend.
Homöopathisch liegt der Schwerpunkt von Helleborus auf dem Gehirn, den Gehirnhäuten und den Nieren. Neigung zu starken Entzündungen der Schleimhäute und ödematöser Ergüsse zeigen eine Arznei bei schwerer Krankheit und schwacher Vitalität an.
Alle sensorischen Funktionen sind herabgesetzt, geradezu wie betäubt.
Mitunter kann sich ein perfektes Bild von Benommenheit, Hilflosigkeit und akuter Idiotie zeigen, wie in Psychiatrie oder Demenzstationen vorstellbar.
Hahnemann beschrieb den Helleborus-Zustand sehr treffend: „wo man bei gutem Gesichte nur unvollkommen sieht, und das Gesehene nicht achtet, bei guten Gehörwerkzeugen nichts deutlich hört oder vernimmt, bei richtigem Geschmackswerkzeuge an nichts Geschmack findet, immer oder oft gedankenlos ist, sich des Vergangenen oder kurz vorher Begegneten wenig oder gar nicht erinnert, an nichts Freude hat, nur leicht schlummert, ohne fest und erquickend zu schlafen, arbeiten will, ohne Aufmerksamkeit oder Kräfte dazu zu haben".
Die Sehkraft der Augen ist intakt, dennoch ist Sehen nicht richtig möglich.
Der Hörapparat ist intakt, aber deutlich hören und verstehen sind unmöglich.
Helleborus niger hat aufgrund seiner vielen Vergiftungssymptome ein breites Anwendungsspektrum bei homöopathischer Verwendung. Von rein nervösen Störungen hin zu heftigen Entzündungszuständen des Gehirns und der Hirnhäute kann das Helleborusbild reichen. Dabei können Ergüsse und wassersüchtige Erkrankungen in verschiedenen Körperregionen entstehen. Bei Hydrocephalus, Apoplexie, Hirntraumata oder Tumorerkrankungen kann Helleborus bei entsprechender Symptomatik eine gute Wahl sein. Verstärktes Urinieren wird dann einsetzende Besserung anzeigen.
Differentialdiagnostisch denken wir an Apis, Baptisia, Belladonna, Bryonia, Opium, Zincum u.a.
Helleborus fehlt der Durst, obgleich begieriges Trinken oder Schlucken kalten Wassers dennoch gezeigt werden können.
HP Regine Dehn
Quellen:
„Homöotanik“ Band H- Z von Bruno Vonarburg, 2009 Haug- Verlag Stuttgart, 4.aktualisierte Auflage
„Konkordanz der Materia Medica“von Frans Vermeulen, 2000 Emryss bv Publishers, Haarlem, Holland
„Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre“ Band 1, Julius Mezger, Haug- Verlag, 12. Auflage 2005
„Der neue Clarke“ Band 2 von Peter Vint, Dr. Grohmann GmbH, Verlag für homöopathische Literatur Bielefeld, Neuauflage 1996, Taschenbuchausgabe 2001