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    Eine unstete Zeit am Ende des 18. Jahrhunderts


    Chinarinde gokalpiscan pixabay 2In der Zeit von 1792 in Georgenthal bis zu seiner Niederlassung um 1805 in Torgau führte Samuel Hahnemann ein Leben fortgesetzter Ortswechsel. Für seine ganze Familie dürfte es die entbehrungsvollste und aufregendste Zeit gewesen sein.
    Nach Georgenthal folgte Molschleben in der Nähe von Gotha. Auf der Weiterreise nach Mühlhausen verunglückte die ganze Familie mit dem Wagen, wobei das 6. und jüngste Kind, der am 27. Februar 1794 geborene 2. Sohn, starb.
    Hohe Umzugskosten, Reisebeschwerden, ungünstige Wohnverhältnisse und die Sorge um das tägliche Brot - man stelle sich diese erschwerten Bedingungen für eine Familie vor.

    R. Haehl:„Bemerkenswert ist, daß Hahnemann, der Vater, laut Kirchenbuch zugleich auch der Taufpate, und zwar der einzige, seines Kindes war.“ Schon bei den älteren Kindern war es so, dass Hahnemann jedesmal bei der Haustaufe im Schlafrock und in Pantoffeln „Gevatter gestanden“ sei.

    Die Familie zog weiter nach Göttingen, Pyrmont, Braunschweig, Wolfenbüttel, Königslutter. Von Sommer 1799 bis 1800 befand sich Hahnemann an verschiedenen Orten in Hamburg, die sich allesamt als zu teuer für eine nun zehnköpfige Familie erwiesen. Über Mölln im Lauenburgischen wechselte Hahnemann wieder nach Sachsen. Er bezog Häuser in Machern, Eilenburg, und zog weiter nach Wittenberg und Dessau, bis er 1805 in Torgau eine auskömmlichere Bleibe fand.

    Robodoc Rizinusfrucht Wikimedia CommonsAls Neuzugezogener war er mit der Bevölkerung nicht ausreichend bekannt, sodass ihm das nötige persönliche Vertrauen als Arzt fehlte. Ehe er Fuß fassen konnte, zog er wieder fort, um in einer wohlfeileren Gegend eine lohnendere Praxis aufzubauen. Für seine schriftstellerische Tätigkeit, mit der er den Unterhalt der Familie sichern musste, fehlten ihm auf dem Lande oft die wissenschaftlichen Voraussetzungen. Nirgends fand er eine Heimat, die seine Familie ernährte und ihm Möglichkeiten für seine geistige Arbeit gewährte.
    R. Haehl schreibt:“Die Qual dieser Zeit muss für ihn furchtbar gewesen sein. Zu der Sorge um die Seinen, die er über alles liebte, traten die hemmenden Erschwerungen bei der geistigen Arbeit, wie bei den chemischen Versuchen, die er fortsetzte. Wie konnte er auch in der beständigen Unruhe und Hast die notwendige Sammlung und Vertiefung finden?“

    Im Schatten der revolutionären Bewegungen in Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts und später erfassten Europa ruhmlose und verlustreiche Kriege, die Hahnemann zum Verzweifeln brachten: “Wenn wir nur erst dem Kriege, dem Grabe der Wissenschaft, entronnen wären!“

    Bereits in Georgenthal neben der Behandlung Klockenbrings, so auch späterhin, behandelte Samuel Hahnemann eine Vielzahl Kranke brieflich. Sehr genau ermittelte er das Befinden der Patienten bis in alle Einzelheiten, sodass seine Verordnungen mit Ratschlägen zu gesunder Lebensführung und Diät des Kranken begleitet waren.

    Trotz der ungünstigen Lebensbedingungen beschäftigte sich Hahnemann intensiv mit den hygienischen Vorschriften für die Verhütung und Behandlung von Infektionskrankheiten seiner Zeit. In seinem Werk „Freund der Gesundheit“, dessen 1. Teil 1792 und 2. Teil 1795 erschien, gibt er wertvolle Ratschläge und Anweisungen zur Verhütung epidemischer Krankheiten, sowie der öffentlichen Gesundheitspflege überhaupt, die auch heute in unserer Zeit ihre Gültigkeit nicht verloren haben.
    Die Schriftstellerei allein konnte seine große Familie nicht ernähren. Über 5500 Druckseiten veröffentlichte er in dieser unsteten Wanderzeit in medizinischen Zeitschriften, als Übersetzungen und eigene Werke. Neben der ärztlichen Tätigkeit und der brieflichen Ausübung der Heilkunst beherbergte und behandelte Hahnemann sogar irrsinnige Kranke in seinem Hause, wo doch schon seine vielköpfige Familie lebte.
    Seine glänzende Beobachtungsgabe, seinen Scharfsinn, seine pragmatische und humorvolle Veranlagung in der Behandlung Kranker können wir noch immer in einigen Briefen an seine Patienten lesen: „Zuweilen eine Laxanz, sollte die wohl schaden?“
    Der pensionierte Rittmeister von Schloß Berghausen schrieb Samuel Hahnemann sein Anliegen und bat um ein geeignetes abführendes Mittel zur vorbeugenden Gesundheitspflege für seine Familie:

    Pete Markham Rizinusöl Wikipedia Commons„Mein lieber Herr Doktor.
    Man hat mich an Sie gewiesen, weil sie den Leuten hübsch immer gerade heraussagen sollen, was sie zu thun haben. Es fällt mir ein, und mein Balbier hat mich auch schon oft daran erinnert, daß es nun wohl bald Zeit wäre, daß ich, mein Weib und meine Kinder was tüchtiges abzuführen einnähmen. “Ihro Gnaden, spricht er immer, denken Sie einmal, welcher Unrath sich in einem ganzen halben Jahre in den Aptominis anhäufen müsse, wenn man den Wust nicht wenigstens alle vier Wochen ausfegen und reinoviren thut.“ Unsereins versteht das nun freilich nicht, man sollte wohl denken, daß von den mancherlei Speisen und Getränken wohl hie und da etwas im Leibe sitzen bleiben müsse, wenns auch nicht so desperat arg damit ist, wies mein Balbier versichert.
    Ich dächte, wenn sich alles so im Leibe ansammelte, so müßte mein siebzigjähriger Schäfer, der in seinem Leben nichts eingenommen hat, einen Vorrath von Unreinigkeit, wie ein Stückfaß vor sich im Bauche tragen.“…..“Wie vielen griechischen und lateinischen Krankheiten könnte man nicht in den Rachen laufen, wenn man die nöthige Vorsicht unterließe. Mein Weib und Kind sind mir gar zu sehr lieb; alle sind munter und roth und kernfest wie eine Eichel. – Gott erhalte sie dabei. Es muß aber auch alles in meinem Hause mit zugreifen und arbeiten helfen nach der Schwierigkeit. Da schmeckts denn auch allen recht weidlich, wenn sie sich so den Tag über in der freien Luft herumgetummelt haben. Ueber keinen Finger beschweren sie sich; das ist wahr. Wenn die Wehen nur nicht hintendrein kommen! Sollten Sie also für uns eine tüchtige Purganz für rathsam finden, so schicken Sie uns die Portionen, und schreiben dazu, womit wirs einnehmen sollen. Der Herr Apotheker weiß das Alter von mir und meiner Familie. Sie können es nur auf den Bierwagen mitgeben…..“

    Hahnemanns Antwort: „Hochwohlgeborener Herr Rittmeister.
    Es ist sehr gut, daß Sie dem Geschwätze Ihres Bramarbas von Feldscheerer noch nicht den Vorzug vor Ihren eignen gesunden Urtheilen eingeräumt haben, wie so viele von Ihrem Stande zu thun pflegen.
    Sie scheinen schon selbst die Wahrheit jenes sehr vernünftigen Ausspruchs einzusehen: „die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, aber die Kranken.“ Wer wollte auch wohl was einnehmen, wenn ihm nichts fehlt? Giebt es auch wohl ein besseres Präservativ vor Krankheiten, als eine gute feste Gesundheit? Diese genießen Sie, wie ich aus Ihrem Schreiben sehe, nebst Ihrer Familie; wollen Sie noch etwas besseres?
    Blos bei heftigen Ueberladungen des Magens bei Schwächlingen und langwierig Kranken, tritt der Fall ein, daß die Natur zu schwach ist, den Unrath zur gehörigen Zeit fortzuschaffen, und da müssen wir ihr durch ein Abführmittel nachzuhelfen suchen. In gesundem Zustande aber kann die Natur die unnützen Ueberreste der Nahrungsmittel schon selbst und unendlich besser ausleeren, als unsere gute Kunst vermag.
    Also auf mein Wort, Sie nehmen nichts ein, weder Sie, noch Ihre Familie. Fragen Sie ferner und ich werde antworten. Lassen Sie Ihren Balbier beim Barte bleiben, gewöhnlich versteht die niedere Gattung dieser Leute nur die Kunst, Gesunde weniger gesund und Kranke kränker zu machen; aus den Lazarethen haben sie blos die Unbarmherzigkeit mitgebracht. Leben Sie wohl“

    Wie aktuell diese Worte wohl auch in unserer Zeit sind?

    HP Regine Dehn

     

    Quellen:
    Richard Haehl „Samuel Hahnemann- Sein Leben und Schaffen“ Band I und II, Neuauflage der Ausgabe von 1922, SEVERUS Verlag 2014
    Richard Haehl „Organon der Heilkunst von Samuel Hahnemann“ 6. Auflage Karl F. Haug Verlag Heidelberg 1987, 3. Nachdruck 1993

    Fotos:
    Apothekerflaschen © analogicus
    Flasche mit dem Öl: Pete Markham, Lizenz: CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
    Rizinusfrucht: Robodoc, Lizenz: CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

       

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