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    Die Rinde des Cinchona- Baumes


    Helleborus 2

    Leicht war es keineswegs für Johanna Henriette, die Gefährtin eines so konsequent tiefgründigen und ehrbaren Arztes wie Samuel Hahnemann zu sein.

    Rima Handley schreibt dazu in ihrem Buch:“Das Eheleben war von Anfang an schwierig. Wenn Johanna Henriette gemeint hatte, mit einem erfolgreichen jungen Arzt verheiratet zu sein, muß sie tief enttäuscht worden sein, denn es sollte noch Jahre dauern, bis die Familie ohne materielle Sorgen leben konnte.
    Hahnemann wurde immer unzufriedener mit dem Beruf, den er gewählt hatte. Er begann - fast zwanghaft - zu schreiben und zu veröffentlichen, nicht nur, um sein Einkommen zu verbessern, sondern auch, um seiner Enttäuschung Luft zu machen und seine unorthodoxen Ansichten zu verbreiten.“

    Ein Jahr nach seiner Niederlassung in Leipzig gab er die Praxis auf, weil sie mehr Aufwand gekostet als Einnahmen gebracht hatte. Ein weitaus schwerwiegenderer Grund für seine Gewissensentscheidung war jedoch die Tatsache, seiner Ansicht nach unbekannte Krankheitszustände mit unbekannten Arzneien zu behandeln.
    „Auf diese Art ein Mörder oder Verschlimmerer des Lebens meiner Menschenbrüder zu werden, war mir der fürchterlichste Gedanke….“ Anlass dazu gaben auch die Umstände und der plötzliche aufsehenerregende Tod Kaiser Leopolds II. von Österreich.

    Cinchona BaumDerweil lebte seine inzwischen 7-köpfige Familie in der Leipziger Vorstadt Stötteritz in einem winzigen Haus in ärmlichen Verhältnissen. Tapfer trug seine Frau Henriette die Entscheidungen des Mannes mit, wenn sie sich auch ein leichteres Leben für ihre Familie gewünscht haben mag.
    Der Umzug nach Leipzig im September 1789 sollte wohl die Hoffnung auf ein Leben am „Kulturmittelpunkt Sachsens“ und der „Quelle der Wissenschaft“ mit Universität und Buchhandel erfüllen. Leipzig war zu dieser Zeit der geistige Mittelpunkt nicht nur in Sachsen, sondern auch für große Teile Deutschlands und Europas.

    Es war 1790, als Hahnemann in langen Nächten, als seine Kinder schliefen, die Materia Medica des Professors der Medizin an der Universität Edinburgh, William Cullen übersetzte. Wie so oft, setzte sich der Übersetzer mit seiner Anmerkung in einer Fußnote weit über den Umfang von Cullens Ansicht hinweg. Dieser behauptete, die Wirksamkeit der Chinarinde bestehe durch seine „auf den Magen ausgeübte stärkende Kraft“.

    Doch Hahnemann berichtete ausführlich von seinem Versuch an sich selbst durch die absichtliche Einnahme von Überdosen Cinchona, die Symptome des Wechselfiebers reproduziert zu haben.
    „Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimal täglich jedesmal 4 Quentchen gute China ein; die Füße, die Fingerspitzen usw. wurden mir erst kalt, ich ward matt und schläfrig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind, eine unleidliche Ängstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schauder), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder; dann Klopfen im Kopfe, Röte der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptomen erschienen nacheinander, doch ohne eigentlichen Fieberschauder. Mit kurzem: auch die mir bei Wechselfiebern gewöhnlichen besonders charakteristischen Symptomen, die Stumpfheit der Sinne, die Art von Steifigkeit in allen Gelenken, besonders aber die taube widrige Empfindung, welche in dem Periostium über allen Knochen des ganzen Körpers ihren Sitz zu haben scheint - - - alle erschienen. Dieser Paroxysm dauerte 2- 3 Stunden jedesmal und erneuerte sich, wenn ich diese Gabe wiederholte, sonst nicht. Ich hörte auf und ich war gesund.“
    Das war die erste Arzneimittelprüfung an sich selbst, die besagt: „Der Chinarinde, die als Heilmittel gegen Wechselfieber gilt, kommt die Kraft zu, im Gesunden wechselfieberähnliche Erscheinungen hervorzubringen.“ und eine erste Ahnung seines späteren Ähnlichkeitsgesetzes.

    CinchonaDer Peru- oder Chinarindenbaum war im 18. Jahrhundert ein begehrtes Heilmittel der Allopathen gegen die Wechselfieber. Etwa 500.000 englische Pfund der Rinde wurden damals jährlich in Europa zu Chininsulfat verarbeitet. J.H.Clarke schrieb dazu: „Wie mit fast allen anderen guten Dingen, die in ihre Hände kamen, haben es die Allopathen fertig gebracht, mit Chinin unendlichen Schaden anzurichten und machten Gutes wieder zunichte.“

    Mit der üblichen Gabe hoher materieller Dosen Chininsulfat ließ sich zwar das Wechselfieber unterdrücken, aber die Menschen endeten im qualvollen Chinavergiftungs- Siechtum, wohingegen der Tod eine Erlösung gewesen wäre.
    Hahnemann hielt damals fest:“ Wahr ist`s, sie können nicht mehr klagen, daß der Paroxysm ihrer vorigen Krankheit zu gewissen Tagen und Stunden wieder erscheine; aber seht, wie erdfahl sind ihre gedunsenen Gesichter, wie matt sind ihre Augen! Seht, wie engbrüstig sie atmen, wie hart und aufgetrieben ihr Oberbauch, wie hart geschwollen ihre Lenden, wie verdorben ihr Appetit, wie häßlich ihr Geschmack, wie unverdaut und unnatürlich ihr Stuhlgang, wie ängstlich, traumvoll und unerquickend ihre Nächte! Seht, wie matt, wie freudlos, wie niedergeschlagen, wie ärgerlich empfindlich oder stupid sie umherschleichen, von einer weit größeren Menge Beschwerden gequält als bei ihrem Wechselfieber!“

    China wurde zunächst von höchster Stelle als völlig harmlos eingestuft, egal in welcher Dosis man es auch gebe. Erst nach Jahrzehnten am Ende des 19. Jahrhunderts gab man die Schädigung durch das Chininsulfat zu. Die Giftigkeit von Chinin wurde damals im Wesentlichen nur noch von Quecksilberanwendungen überboten.

    J.H.Clarke schreibt weiter:“ Hahnemanns Ruhm und das Interesse der Homöopathen sind untrennbar mit der Geschichte dieses Mittels verknüpft. Es war das erste Mittel, das Hahnemann prüfte; und dasjenige, das seinem Geist den Gedanken der Homöopathie eröffnete.“

    Regine Dehn

     

    Quellen:
    Richard Haehl „Samuel Hahnemann- Sein Leben und Schaffen“ Band I und II, Neuauflage der Ausgabe von 1922, SEVERUS Verlag 2014
    Rima Handley „Eine homöopathische Liebesgeschichte“, Verlag C.H.Beck 2006
    Dr. Grohmann GmbH „Der Neue Clarke“ Band 1von Peter Vint, Neuauflage 1996, Verlag für homöopathische Literatur Bielfeld

     

       

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